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Eine Zugfahrt, die ist Lustig

5 Stunden Verspätung. Nochmal in Buchstaben: füüüüünf Stunden, für uns als Deutsche unbegreiflich nervenaufreibend und stressig. Für die Inder aber überhaupt ’no probleeeeem‘, sie warteten diese Zeit seelenruhig ab.

Während unserer Wartezeit verbrachten wir einige Zeit in einem Warteraum und konnten beobachten wie sich Gruppen von 15-20 Indern in aller Ruhe für eine bervorstehende Feierlichkeit (vermutlich Hochzeit) zurecht machten. Es gab Umkleiden für die Frauen, die ihre schönen glänzenden und farbigen Kleider anzogen. Die Herren zogen vor allen anderen im Warteraum ihre Anzüge an.

Wir waren schon wirklich durchgefroren und fluchten innerlich über uns, dass wir uns in Agra keine Decke gekauft hatten. Aber es kann ja auch niemand ahnen, dass die 3 Stunden Verspätung problemlos getoppt werden. 😀 So froren wir weiter…


Aber nun war er da! Unser Zug der den Klangvollen Namen „Jaipur Express“ trug. Unseren Platz hatten wir schnell gefunden. Es saßen dort schon zwei etwas finster aussehende Herren, die munter vor sich hin schmatzten.
Wir verstauten unser Gepäck und setzen uns zu ihnen.

Nach einer Stunde Warten im Zug fuhr er nun endlich los und wir hatten erstmal unsere Ruhe von den verschiedensten Händlern, die versuchten ihre Waren an den Mann zu bringen. Da unsere Sitznachbarn während der Zug noch im Bahnhof stand ständig noch irgendwas kauften, wurde uns immer wieder Dinge angeboten. Auch mit Verkaufsargumenten wie ‚Not spicy‘ und Gratisproben wurden wir nicht überzeugt.
Der Zug setze sich in Bewegung – kurze Hochrechnung der Fahrzeit + 1-2 Stunden Verspätung – im Hellen anzukommen könnte knapp werden. Aber vielleicht holt er ja auch noch etwas auf… (Optimist muss man sein)

Nach einer Zeit holten unsere Sitznachbarn weitere Snacks aus Ihren Taschen und mampften munter weiter. (Dies war eigentlich nicht mehr verwunderlich für uns, da wir es aus Agra gewohnt waren, dass in Indien anscheinend viel gegessen wird). Es sah wirklich lecker aus, sie boten uns auch etwas an, aber wir verneinten, da wir gelesen hatten, dass dies auch schief gehen könnte…

Anscheinend interessierten sich die beiden nun langsam für uns und hatten sich wohl erhofft, mit dem Teilen ihrer Köstlichkeiten das Eis zu brechen. Nun fragte uns ein dritter Herr, der neben uns auf einem Schlafsitzplatz saß, woher wir kommen. Wir antworteten aus ‚Germany‘ und nun wurde es langsam gruselig.

Unsere Sitznachbarn fingen nun plötzlich an zu telefonieren, gefühlt einmal ihr komplettes Telefonbuch hoch und wieder runter.
Wir waren uns sehr sicher, dass immer in den Telefonaten das Wort Deutsch auf Hindi ‚Jarmanee‘ vorkam. Es wurde uns langsam mulmig. Suchten sie gerade Abnehmer für unsere Organe oder schmiedeten sie Pläne, was sie uns am Zielbahnhof alles Schönes anbieten könnten – ich denke nur an diese wirklich vortreffliche Pferdepeitsche, die uns unser Taxifahrer in Agra andrehen wollte. Ein Super-Special-Angebot in dem Hotel ihres Schwagers? Oder eine kleine Tages-Tour durch Jaipur?

Als einer der beiden nun auch noch anfing zu Summen, wurde es Tini zu viel und sie hörte etwas Musik.

Unser Summer unterbrach nach einiger Zeit seine Einlage und holte den legendären Kautabak raus und gönnte sich eine Handvoll.

Nach einer Zeit griff er zum Telefon und führte ein weiteres Telefonat. Ich war erstaunt, dass er dazu überhaupt noch fähig war. Seine Futterluke war randvoll mit Spucke. Er telefonierte mit offenen Mund und es kamen eigentlich nur noch Stöhn, Grunz und Gurgelgeräusche aus. So ähnlich wenn wir gerade Zähne putzen und die Zahnbürste noch im Mund steckt und ihr etwas gefragt werdet und dann antwortet. Wirklich verblüffend.

   Oh mein Gott, der Zug hielt an und voller Vorfreude schauten wir beide auf Handy um uns orten zu lassen. Es war mittlerweile gegen 14 Uhr und wir dachten, wir haben sicherlich schon voll die Strecke zurückgelegt – aber Pustekuchen. Es waren etwa nur ein Achtel der Strecke.

Eine erneute Hochrechnung – wir kommen wohl nie mehr an …

Wir hatten uns den Tag doch etwas anderes vorgestellt. Zum Glück fuhr der Zug rasch weiter.

Langsam aber sicher machte sich meine Blase bemerkbar und meldete, dass es nun Zeit wäre die Toiletten zu checken.

Ich ging also los und merkte recht schnell, dem Geruch nach zu urteilen, dass hinter diesen Türen die Toiletten sein müssten. Hinter der ersten Tür entdeckte ich diese Variante und war sehr glücklich…  … auch noch diese zu sehen:  Ich entschied mich für die Bekanntere 🙂

Zurück bei Tini war ich froh, dass noch alles in Ordnung war. Einer unserer beiden Kollegen schnarchte mittlerweile vor sich hin. Die Landschaft veränderte sich und wir hielten auf kleineren Bahnhöfen an. Es kamen wieder Händler herein und boten ihre Waren an. Einer unserer Mitreisenden kaufte eine kleine Pappschüssel voll von einem Zwiebeln-Körner-Mix, der Händler gab ihn ein Viertel einer Skatkarte als Löffel dazu. Ich staunte nicht schlecht.

Tini schrieb immer noch und so ging ich mit meiner Kamera zu den Wagentüren und öffnete eine und fotografierte etwas die Landschaft.



  
Man konnte die Bewohner bei ihrer Feldarbeit beobachten oder Hirten, die Schafe, Schweine und Ziegen hüteten. Dazwischen Kamele mit Karren und blühende Rapsfelder. Am Horizont sah man schon die ersten Berge. Es war wirklich eine traumhafte Landschaft. Auch der Müll wurde weniger… Apropros Müll:

Anscheinend gehört es zur guten Sitte seinen Müll einfach auf den Boden fallen zu lassen oder ihn aus dem Fenster oder Türen zu werfen.

Uns sträubte es davor und so packten wir unsere Verpackungen ein. Nur die Bananenschalen brachte ich zur Tür, innerlich hoffte ich dort wie gewohnt einen Mülleimer zu finden, aber vergeblich. Ich lies sie also aus der offenen Tür flattern, als ich mich umdreht stand auf der anderen Seite ein Inder, der mir nickend mit einem Blick vermittelte ‚alles richtig gemacht, mein Junge‘.

Zurück am Platz tat mir der Bahnmitarbeiter leid, der nun während der Fahrt den ganzen Müll im Gang und unter den Sitzen zusammen Richtung Ausgang kehrte und den Armen, der noch Nachwischen durfte. Als die beiden weg waren, packte einer unserer Nachbarn sein nächstes Lunchpaket aus und lies die Verpackung wieder fallen. Grrr…

Plötzlich wurde unsere Organ-Verkäufer munter und packten ihre Sachen zusammen. Unsere Herzen finden an schneller zu klopfen und wir waren dann doch sehr glücklich, als Sie nun einen Bahnhof vor der Endstation ausstiegen.

Dann war es eine Station später endlich soweit, wir waren in Jaipur angekommen. Es war 18 Uhr und es dämmerte.

Routiniert gingen wir Richtung Ausgang und ließen die ersten Taxifahrer hinter uns. Nur ein junger Herr ließ nicht locker. Eigentlich hatten wir uns im Zug geschworen nicht wieder auf diese Masche hereinzufallen, aber nachdem er meinte die Tour würde nur 50 Rupien kosten war es für uns ok so willigten wir ein.

Im Hotel freuten wir uns sehr auf unserer Super Deluxe Zimmer. Doch was wir erhielten, war nicht was wir uns ausgemalt hatten, geschweige was die Fotos auf der Webseite versprachen.

Die Anlage ist wirklich schön, aber das Badezimmer ist eine Katastrophe. Wirklich enttäuscht gingen wir zu Bett.



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